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Das eigentliche Problem beim Fischen an der Küste ist: Sie ist riesengroß. So groß, dass es wenig Sinn macht, irgendwo einfach mal einen Blinker oder eine Fliege durch's Wasser zu kurbeln. Stattdessen sollte man vorher wissen, wo der Fisch möglicherweise steht. Deshalb sind über dieses Thema meterweise Bücher geschrieben worden. Sie alle empfehlen für Meerforelle den "Leopardengrund" (Sand mit sporadischem Bewuchs) oder "vereinzelte Steine" oder "Priele zwischen Sandbänken" oder Strömungskanten oder "abfallende Kanten zum tiefen Wasser." Das ist einerseits alles richtig. Anderseits habe ich schon tagelang an solchen Stellen gefischt, ohne eine Meerforelle zu sehen. Und ich habe Fische gefangen an Stellen, die aussahen wie "Sahara im Wasser": Sandig und leer, ohne das kleinste Anzeichen von Leben unter der Oberfläche.

Wo also steht die Meerforelle? Das erste Gesetz lautet: Sie steht immer woanders, denn der Fisch wandert im Meer viele Kilometer an den Küsten entlang und folgt dabei den Futterfischen, der Temperatur und dem Sauerstoff   im Wasser. Dafür gibt es ein paar physikalische Parameter:

1. Je kälter das Wasser und je niedriger der Salzgehalt, desto mehr Sauerstoff kann das Wasser binden.

2. Je kälter das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff verbraucht der Fisch.

3. Wenn Meerwasser friert, nimmt die Salzkonzentration im übrigen Wasser zu.

4. Je höher der Salzgehalt desto schwerer ist das Wasser und sinkt deshalb in die Tiefe.

5. Der Sauerstoffgehalt ist im Oberflächenwasser am höchsten, weil sich das Wasser nur dort mit Sauerstoff anreichern kann.

6. Im Sommer beschleunigt die Sonneneinstrahlung das Wachstum der Algen, deren Zersetzung dann wieder Sauerstoff bindet, weshalb sich in ruhigen, warmen Sommern die Verteilung der Sauerstoffkonzentration umkehrt.

Das alles führt nach meiner Erfahrung zu einer Art zyklischen Wanderung der Meerforellen in der Ostsee:

Im Winter : Die Fische fliehen vor dem Eis im Norden und Osten und halten sich eher in der südlichen Ostsee vor den deutschen Küsten auf. Dort kommen sie ins Flachwasser und in die Buchten, wenn diese wärmer sind als das übrige Meer. Im Winter passiert das, wenn ein Tiefdruckgebiet mit milden Temperaturen aber heftigen Winden das Meer aufwühlt. Oder wenn gegen Ende des Winters die ersten Sonnenstrahlen die flachen Buchten aufwärmen. Immer dann tauchen zuerst die Beutetiere dort auf   (Ringelwürmer, Tangläufer, Garnelen etc) und ihnen folgen später die Fische. In der Regel sind es Grönländer (zweijährige Fische die noch nicht aufgestiegen sind), aber manchmal ist auch schon ein einzelner Absteiger oder blanker Überspringer darunter.

Im Frühjahr : Die Fische rauben vermehrt im flacheren Wasser, und das gilt im besonderen Maße, wenn im April der Hering an unsere Küsten kommt. Später im Mai wandern die Meerforellen dann entweder zu ihren Laichflüssen, oder in Richtung Osten ins sauerstoffreichere Wasser.

Im Sommer : Viele Fische sind jetzt aus der südlichen Ostsee verschwunden, und diejenigen, die geblieben sind, verlassen das sauerstoffarme Oberflächenwasser und ziehen sich in tiefere Regionen zurück. Nur in der Nacht kommen sie zum Rauben noch ins flachere Wasser.

Im Herbst: Wenn die Nächte kälter werden kommen auch die Meerforellen an die Küste zurück. Solange, bis das Wasser in den Buchten so kalt wird, dass die Fische in tieferes Wasser verschwinden (mindestens sechs Meter) und der Winter beginnt..

Für das Meerforellenangeln bedeutet dies alles:

1. Die beste Zeit zum Meerforellenangeln an unseren Küsten ist das Winterhalbjahr von Oktober bis April, wobei der schönste Monat der Oktober ist und die fängigste Zeit   von Anfang März bis Ende April dauert. Es sind diese drei Monate, in denen die Buchten warm genug sind, dass der Fisch beißt, und das Wasser trotzdem kalt genug ist, dass sich die Meerforelle vor allem in unseren Breiten aufhält.

2. Im Prinzip produziert auflandiger Wind besseren Bedingungen für den Fisch, weil er das sauerstoffreiche Wasser gegen die Küste drückt und Nährstoffe und Beutetiere dort aufkonzentriert. Auf der anderen Seite aber baut er dort Wellen auf, die ab Windstärke 4 gerne in unsere Wathosen schwappen, und er trübt das Wasser ein, so dass jeder Wurf mit einem kiloschweren Krautbündel am Drilling endet. Deshalb bevorzugen wir Angler ablandiger Wind und ein Gerät, mit dem es gelingt, Blinker und Wobbler auch noch hinter den Horizont zu ballern.

3. Am besten sind Riffe und Buhnen und Küstenformationen, die Strömungskanten ausbilden mit Bereiche, die im Windschatten liegen und in denen es dann ruhiges und klares Wasser gibt. Solche Trennlinien bringen den meisten Fisch.

Blinker für die Küste

4. Im Oktober ist das Angeln morgens sehr gut und danach wieder zwischen 16 und 18 Uhr. Im Winter verschiebt sich die Beißzeit dann immer weiter in Richtung Mittag

5. Im Sommer ist das Fischen nur nachts einigermaßen erfolgreich und auch dann nur mit Fliege und Wurm.

6. Meine erfolgreichsten Farben bei den Meerforellenblinkern sind Silber und Leuchtengelb/Orange. Die meistverkauften in meinem Geschäft sind dagegen Weiß und Blau/Silber.

7. Grundsätzlich gilt: Je kälter das Wasser desto knalliger das Design und je dunkler der Himmel, desto dunkler die Farbe.

8. Der erfolgreichste Köder zurzeit ist der Spöket von Falkfisch: Gute Farben, gute Flugeigenschaften und der einzige Küstenwobbler der Kugeln im Körper hat, die beim Einholen rasseln. Er läuft flach, erlaubt langsames Führen und bewegt sich trotzdem nicht so sehr, dass er viele Fehlbisse provoziert. Den Spöket kurbelt am kontinuierlich und langsam ein wie ein Scherenschleifer.

9. Fast genauso erfolgreich und der Klassiker unter den Blinkern ist der Hansen Flash. In den Varianten 16, 26 und 30 Gramm für weites Werfen. Und in 12 oder 20 Gramm für langsames Führen im flacheren Wasser. Erfolg bringt meisten das Kurbeln mit Drehstopp, weil der zu Boden rotierende Blinker perfekt einen Tobiasfisch auf der Flucht imitiert.

10. Wenn die Hornhechte im Mai anfangen zu beißen, beginnt die Zeit, die Küstenfischerei einzustellen und sich in den Auen umzuschauen.

 
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