Es gibt   keine Angelart, über die soviel geschrieben wurde wie über das Fliegenfischen. Millionen Bücher, Hefte, Broschüren und Ratgebern über Schnurklassen, Wurfstile, Fliegenmuster und was sonst noch so von Bedeutung ist für diesen Sport. Man könnte meinen, Fliegenfischen wäre die komplizierteste Erfindung der Menschheit.

Richtig daran ist, dass man sie zur kompliziertesten machen kann. Man kann es sich allerdings auch sehr viel einfacher machen. Das sieht dann so aus:

Man nehme eine Rute - ca. 2,70 Meter, Schnurklasse 6 oder 7 (steht meistens kurz über dem Griff) - und eine Schnur mit derselben Gewichtsklasse. Dann braucht man noch eine Fliegenrolle, die ruhig billiger sein kann, weil sie beim Fliegenfischen nur der Schnuraufbewahrung dient. Und dann fehlt nur noch ein Vorfach, am Anfang ca. zwei Meter einfache 20er Schnur und schon kann man anfangen zu üben. Am besten erstmal mit einem Wollfaden am Vorfach auf der Wiese hinter dem Haus.

Werfen beim Fliegenfischen ist ebenfalls nicht so kompliziert, wie viele behaupten. Vorausgesetzt, man hat das physikalische Prinzip einmal begriffen. Denn der fundamentale Unterschied zu allen anderen Wurfarten beim Angeln ist. Der Köder wiegt nichts. Deshalb macht es keinen Sinn, ihn - wie bei jeder anderen Angelart - wegzuschleudern. (Normalerweise beschreibt die Rutenspitze dabei eine Kreisbahn und wenn man die Schnur freigibt, fliegt der Köder durch die Zentrifugalkraft beschleunigt bis hinter den Horizont. Entlang der Tangente, wie wir im Mathematikunterricht gelernt haben.)

Beim Fliegenfischen funktioniert das nicht, weil ein Köder, der nichts wiegt, auch keine Zentrifugalkraft entwickelt, wenn man ihn auf einer Kreisbahn bewegt. Stattdessen muss man ihn in einer geraden Linie beschleunigen, wobei der Luftwiderstand und die Masse der Schnur die Rute soweit biegen, dass sie die Schnur dann nach vorne schnellen lässt. Das bedeutet: Die Rutenspitze muss beim Vor- und Zurückschwingen eine gerade Linie beschreiben. Ungefähr so als würde wenn man mit ihr zu Hause die Wohnzimmerdecke streichen wollen. Dazu beginnt man mit der Rutenspitze ungefähr bei 10 Uhr, schwingt sie langsam zurück bis 1 Uhr, stoppt und warteten dann, bis man das Gewicht der Schnur in der Rute spürt. Dann schwingt man sie wieder nach vorne und wartet, bis sie sich in der Luft gestreckt hat. Danach kann man sie daunenzart auf der Wiese ablegen, indem man die Rute auf 9 Uhr senkt. Wer das beherrscht, ist bereits reif für das Wasser.

Dort muss man dann nur noch wissen, ob man auf der Wasseroberfläche mit einer schwimmenden "Trockenschnur" angeln will oder unter Wasser mit einer Sinkschnur. Für die schwimmende Schnur braucht man - logisch - eine Fliege die schwimmt und für die Nassschnur, eine die untergeht, und weil Fliegen gerne abreißen nimmt man am Anfang nicht eine Fliege mit, sondern am besten ein helles und eine dunkles Modell, sowohl schwimmend wie sinkend jeweils sechs Exemplare.

Alle diese Fliegen zupft man nach dem Wurf mal schneller mal langsamer an sich heran, damit der Fisch denkt, dass es sich hier um ein echtes Lebewesen handelt. Irgendwann beißt dann der erste Fisch. Der Rest ergibt sich danach von alleine, besonders die zweitwichtigsten Disziplin des Fliegenfischens: Dem Reden darüber. Damit es noch leichter fällt: Hier die wichtigsten Fachbegriffe für Einsteiger zum Thema Schnur:

AFTMA-Klassen Nach ihnen wird die Dicke und Schwere der Schnur bemessen. Von 1 = Ultralight bis 12 = Lachsfischen im breiten Strom mit der Zweihandrute bei Gegenwind
Backing Unterschnur aus monofilem Gewebe, die hinter die Flugschnur geknüpft wird, um bei einem großen Fisch genug Reserve zu haben für einen Drill.
Doubletaper (DT) Flugschnur die in der Mitte am dicksten ist und sich vorne und hinten verjüngt. Kann man umdrehen, wenn eine Seite verbraucht ist, und eignet sich eher für die sensible Fischerei mit der Trockenfliege.
Intermediate Flugschnur die nur langsam und dann auch nur ein bisschen sinkt
Weightforward (WF) Flugschnur in Keulenform - vorne dicker als hinten - für größere Weiten, besonders an der Küste
Schusskopf Für noch größere Weiten.
   

Und für einen noch größeren Wortschatz empfehle ich:

• das Sonderheft Fliegenfischen von Rute und Rolle

• das Buch "Fische Fangen" von Alexander Spörl (im Antiquariat)

• den Film "In der Mitte entspringt ein Fluss"

• ein Besuch bei Ovens Angelgeräte GmbH in Husum

 
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